Ein stiller, nachdenklicher Mann

Zur Person des Jürgen Todenhöfer

Zum Einstieg möchte ich ein Zitat präsentieren:

Während dort ein Völkermord stattfindet macht man sich hierzulande Sorgen um einen neuen deutschen „Antisemitismus“. Wobei jede Kritik an Israel als antisemitisch gilt. Diese Heuchelei, diese Lügen, dieses Verbrechen macht mich wütend.

Raten Sie einmal, um welchen bewaffneten Konflikt geht es? – Korrekt, es geht um den in Gaza. Das Zitat aus das eines Kommentares unter einem Post von Jürgen Todenhöfer auf Facebook.

Ich möchte weniger auf den Konflikt an sich, als auf die Berichterstattung durch Todenhöfer eingehen. Selbstverständlich wurden auf beiden Seiten große Fehler begangen. Es ist jedoch meine erklärte Meinung, dass es unangemessen ist, Israel für den aktuellen Konflikt verantwortlich zu machen oder zu kritisieren.

Die Verlogenheit, die Gefahr dieses Posts möchte ich im folgenden Text klar machen. Nur kurz: In Deutschland ist Israelkritik weit, weit davon entfernt, unmöglich zu sein. Sie wird täglich geäußert, Menschen gehen auf die Straßen und demonstrieren gegen Israel.

Niemand bezeichnet jeden Kritiker Israels als Antisemiten, Jürgen Todenhöfer hat mehrere Auftritte im deutschen Fernsehen. Würden alle deutschen Medien ihn als Antisemiten auffassen, hätte er diese sicherlich nicht.

Besonders perfide ist es, den grassierenden Antisemitismus hierzulande zu leugnen, die Hinweise auf ihn zu verhöhnen und gleichzeitig zum Gegenangriff zu blasen. Israel einen Völkermord vorzuwerfen ist eben jede Umkehrung des Täter-Opfer-Komplexes, den schon Adorno beschrieben hat. Wenn das, was wir den Juden angetan haben, schon ein Völkermord war, ja dann müssen die grausamen Taten der Israelis längst ein Völkermord sein!

Was ist es, das die Menschen so auf die Straße treibt?

Es gab im Verlauf des erneuten Konfliktes in Gaza – man mag es Krieg nennen – in ganz Deutschland Demonstrationen gegen die Gewalt. Hauptsächlich gegen Israel.

Und dieser Konflikt ist es auch, der Jürgen Todenhöfer erneut zu journalistischen „Höchstleistungen“ auflaufen lässt.

Betrachten wir zunächst seinen (Stand: 08.08.2014) neusten Post. Er dreht sich um folgende Fragen:

-Wer fing den Krieg an?
-Wer benutzt Zivilisten als Schutzschilde?
-Wer bricht am häufigsten Waffenstillstände?
-Will Hamas Israel oder Israel Palästina zerstören?

Erneut: Raten Sie einmal, wem Todenhöfer die Schuld am Krieg gibt? Wer Zivilisten als Schutzschilde benutzt? Wer die Waffenstillstände am häufigsten bricht? Wer Palästina zerstören will?

Es sind die Israelis. Er legt detailliert und völlig einseitig, in einem Mischmasch aus Berichten, Zahlen und „Fakten“, vor, welche Antworten er auf diese Fragen hat. Natürlich sagt er nicht direkt, welche Antworten es auf diese Fragen gibt. Aber die Zahlen und Fakten, die er anbringt, sind für jeden so offensichtlich, dass es dem auch gar nicht mehr benötigt.

Lesen Sie selbst. Sie werden aber nichts darüber finden, weshalb die Hamas Tunnel gräbt, was wirklich in der Charta über den Judenhass steht, sie werden keine differenzierten Betrachtungen über die historische Situation finden, sie werden nichts darüber finden, wie brutal die Hamas im Gazastreifen regiert. Nichts von alle dem.

Und hier zeigt sich auch: Es geht Todenhöfer in keinster Weise darum, objektiv zu berichten und darzustellen, dass beide Seiten Schuld am Vorgehen haben. Es geht ihm vielmehr darum, die Israelis zu diskreditieren, ihnen die alleinige Schuld zu geben. Und so wundert es auch nicht, wenn man bedenkt, was Todenhöfer vor seiner journalistischen Karriere getan hat.

Er war Mitglied des Bundestages, saß für die CDU dort und war im rechten Flügel der Partei angesiedelt.

Todenhöfers Traum

Es folgen sechs zentrale Punkte, die Todenhöfer auch so proklamiert. Anhand dieser kann man exemplarisch zeigen, wohin sein Weg führt.

1. Das Existenzrecht Israels beinhaltet nicht das Recht, die Existenz der Palästinenser zu vernichten.

Seit mehr als 50 Jahren gibt es die Palästinenser nun schon. Eine lange Zeit, mag man meinen. Wäre es die Absicht der Israelis die Palästinenser zu vernichten (die sich in der Zeit demographisch gesehen mehr vermehrt, als in der Zahl verringert haben), wären sie katastrophal gescheitert.

Mehr als 44% der Bewohner Gazas sind unter 15 Jahre alt. Das deutet auf ein enormes Bevölkerungswachstum hin.

Dem Staat Israel, der nur dadurch entstanden ist, dass man in Zentraleuropa die Vernichtung der Juden am liebsten gesehen hätte, nun selbst Vernichtungswünsche einer Volksgruppe vorzuwerfen, ist zynisch und spricht wiederum für die Täter-Opfer-Umkehrung.

2. Israel hat ein Recht auf Selbstverteidigung, aber nicht auf Bombardierungs-Orgien. Unverhältnismäßige und maßlose Angriffe sind keine Verteidigung, sondern Kriegsverbrechen.

Dieser Punkt ist schlicht dreist. Israel tut viel, um zivile Opfer zu verhindern. Die Maßnahmen sind inzwischen weithin bekannt. (Warnungen, „Klopfen“ auf dem Dach, etc.) Es ist überdies ein weit verbreiteter Mythos, es gäbe in Gaza keine freien Flächen mehr.

Was verhältnismäßig ist und was nicht, liegt nicht in der subjektiven Beurteilung von Jürgen Todenhöfer. Ein Völkerrechtsverstoß Israels liegt bisher nicht vor – von Kriegsverbrechen zu sprechen, nur weil ein „Human Rights Council“ der UN, das aus Diktaturen besteht, Israel verurteilt hat, ist zynisch.

3. Es ist kein Antisemitismus, wenn man israelische Kriegsverbrechen auch Kriegsverbrechen nennt.

Siehe dazu Punkt 2.

4. Auch die Palästinenser haben ein Recht auf Selbstverteidigung. Gegen ihre Einsperrung ins größte Freiluft-Gefängnis der Welt. Und gegen den Landraub durch israelische Siedler im Westjordanland. Wenn auch nicht mit ‚Raketen‘, die Unschuldige gefährden.

Womit dann, möchte man Tödenhöfer fragen? Mit Tunnels, die dem Terror dienen? – Die palästinensische Autonomiebehörde muss dringend die Kontrolle über den Gazastreifen wiedererlangen.

Mit einer Terrororganisation zu verhandeln, deren erklärtes Ziel die Vernichtung des Gegenübers bei Verhandlungen ist, ist nun einmal nicht leicht. Ich empfehle hierzu auch folgendes Interview von Richard Schneider, dem Korrespondent der ARD: http://www.tagesschau.de/videoblog/zwischen_mittelmeer_und_jordan/israelblog-116.html

5. Ich bin für Sanktionen gegen Israel. Bis es seine gnadenlose Besatzung aufgibt und einen gleichberechtigten Palästinenserstaat zulässt. Gegen jedes andere Land der Welt, das die Menschenrechte derart verletzt, wären längst Sanktionen verhängt worden.

Hier muss man hörig werden:  Saudi-Arabien? Mittelamerika? Alles Länder, die zumeist Menschenrechte mit Füßen treten und gegen die kaum Sanktionen gefordert werden.

Mag Jürgen Todenhöfer damit beginnen, Israel zu boykottieren. Seinen Computer mag er dann bitte abstellen – Intel produziert Chips in Israel, viele große Technologiefirmen sind dort angesiedelt und die Technische Universität in Tel Aviv liefert viele wertvolle Forschungsergebnisse.

6. Mein Traum: Ein Friedensmarsch der 1.8 Mio Gefangenen von Gaza zum israelischen Grenzübergang Erez. Und der übrigen 2.65 Mio Palästinenser zum Felsendom in Jerusalem. Im Stile eines Martin Luther King oder Mahatma Gandhi. Mit tausenden Transparenten und einem millionenfachen Schrei: FREIHEIT FÜR PALÄSTINA!

Hamas richtet im Gazastreifen regelmäßig Menschen hin („Kollaborateure“), schleifet sie danach durch die Straßen und ist wohl die Partei, die für den desaströsen Zustand des Gazastreifens die Hauptschuld trägt. – Wogegen sollte man also demonstrieren? Natürlich gegen die Besatzung durch Israel!

Warum wird es diese Demonstration nicht geben? Die Hamas würde sie unterbinden, zur Not mit Waffengewalt.

Auch war es nicht schon immer so, dass Israel den Zugang zum Gazastreifen so abgeriegelt hätte. Nach dem Abzug der Truppen und der Zerstörung aller Siedlungen waren die Grenzen offen. – Aber bis auf Raketen und Terror kam aus dem Landstrich nichts. Die Hoffnung, auf die man gesetzt hatte, lässt sich einfach formulieren: Frieden für Land. Was auf dem Sinai und mit Ägypten so gut funktioniert hatte, ist nun zur Katastrophe für Israel geworden.

Die Raketen der Hamas erreichen bald den Flughafen Ben Gurion, eine Schließung dessen ist tödlich für Israels Wirtschaft. Israel muss Sorge dafür tragen, dass dies nicht längere Zeit eintritt, von einem Treffer des Atomkraftwerkes ganz abzusehen.

Worum es Todenhöfer noch geht

Worum geht es Jürgen Todenhöfer noch? – Natürlich kritisiert er Amerika. Hauptsächlich für die Tötung von Terroristen mit Drohnen.

Drohnen wären eine Gefahr für die Menschlichkeit, Krieg würde durch sie viel leichter und erst ermöglicht.

Ein Besuch bei Assad

Herr Todenhöfer durfte 2012 ein Interview mit Baschar al-Assad führen – dem Mann, der wohl für den Tod von 180.000 Syrern hauptsächlich verantwortlich sein durfte, für Fassbomben, die wirklich Kriegsverbrechen sind.

Man darf mutmaßen, dass Todenhöfer Herrn Assad gnadenlose, kritische Fragen stellte und sich nicht von dem Diktator einschüchtern ließ.

Das Gegenteil war der Fall. Todenhöfer ließ sich von Assad, dem „stillen, nachdenklichen Mann“ vorführen. Das Interview war eine Farce.

So viel Naivität?

Man stellt sich zwangsläufig die Frage, ob es Naivität ist, die den Mann leitet.

Aber kann man so naiv sein? Was mag dahinter stecken?

Ich habe für mich selbst den Schluss gezogen, dass der Mann ein brandgefährlicher Populist ist. Jemand, der mit seinem Hass, seinem selektierten Mitleid und seiner gespielten Objektivität tief in dem Milieu wildert, das stark vom Antisemitismus geprägt ist.

Bei 200.000 Facebook-Likes (darunter auch – traurigerweise – Freunde von mir) und Fernsehauftritten darf man aufmerksam werden. So viel Aufmerksamkeit für jemand, der mehr Verständnis für Barbarei und Gräuel hat, als für den Lebenswillen der Israelis.

Da wundert es nicht, dass etwa die Hälfte aller Deutschen Aussagen wie dieser zustimmen:

„Die Israelis behandeln die Palästinenser heute so wie die Nazis die Juden“ (Quelle)

Beängstigend.