Auf ein neues: Schülersprecherwahl am COG

Alle Jahre wieder zu Schuljahresanfang sucht die SMV nach Schülersprecherkandidaten. Der Wille, sich aufstellen zu lassen und zu kandidieren, war in den letzten Jahren immer weniger vorhanden. Gab es vor 4-5 Jahren noch konstant bis zu 8 Kandidaten, ist man jetzt mit 4 (von denen 3 gewählt werden) froh. Diese rapide abnehmende Zahl an kandidierenden Schülern ist ein Indikator für die Belanglosigkeit dieses Amtes.

Schülersprecher ist ein – so will man meinen – angesehenes Amt. Man vertritt 1200 Schüler des COGs und hat somit einiges an Stimmgewalt hinter sich. Bloß wann setzt man diese Gewalt ein? Die Schülersprecherwahl ist ein Ritual. Die durch die Klassen tourenden Kandidaten stellen sich vor, berichten, versuchen zu überzeugen. Was einst dazu diente, sich selbst vorzustellen und seinen Standpunkt klar zu stellen, ist heute nicht mehr als eine sich wiederholende Abfolge von dem stets gleichen, populistischen »Wählt mich!«-Plädoyers ohne Hintergrund. Ginge es nach ein Plänen und Versprechungen der Schülersprecher der letzten Jahre, so gäbe es längst einen Kaffee- und Süßigkeitenautomaten, die bargeldlose Bezahlung an der Kasse des Pausenverkaufs, eine Designer Inneneinstattung des Schulhauses und die idealisierte »köhler’sche Leberkässemmel«. Kurzum: Jeder wäre glücklich. Die Befähigung, Probleme zu erkennen, wie den Mangel an Aufenthaltsräumen für die Oberstufe, den Vandalismus in der Bibliothek, die Schwierigkeit neben dem G8 sich noch für SMV o.Ä. zu engagieren oder die katastrophale Anstellsituation in der Mensa, würde man sich wünschen. Automaten aufzustellen ist keine Überzeugung, für die man einstehen könnte. Es drängt sich die Frage auf, wozu man ein solches Amt noch benötigt. Die Frage „Warum sollte man Schülersprecher werden?“ wird allzu oft allein damit begründet, dass es gut in einer Bewerbung aussieht. Ein solches Amt sollte sich aus einer Notwendigkeit ableiten. Der Tätigkeitsbereich liegt klar in der Vermittlung zwischen Schulleitung und Schülerschaft, wobei der Schülersprecher hier quasi Koordinator der SMV ist. Für den Kandidaten an sich sollte die Motivation zu einem gewissen Anteil intrinsisch sein. Ein gesundes Selbstbewusstsein ist unerlässlich im Umgang mit der Schulleitung. Kandidaten, die vorher noch nicht in der SMV tätig waren, sind hierbei schlicht nicht geeignet, da sie eingearbeitet werden müssen für die recht kurze Periode von einem Jahr. Zugegeben, die Arbeit wird immer in einem gewissen Rahmen bleiben, der durch andere Verpflichtungen und fehlende Erfahrung, die so auch gar nicht vorhanden sein kann, begrenzt ist. Doch gerade im Bereich der Informationsverteilung besteht Nachholbedarf. Wichtige Entscheidungen, wie die der sog. Kleiderordnung, werden per Anschlag am schwarzen Brett bekannt gegeben, anstatt dass sie durch die SMV vermittelt würden. Schließlich hat die SMV die Entscheidung im Schulforum mit getroffen. Es bleibt zu hoffen, dass sich die zukünftigen Schülersprecher nicht der Tradition verpflichtet fühlen, nach der Wahl wieder in der Versenkung zu verschwinden. Ich würde mich freuen von ihnen zu hören.

Veröffentlicht von

Alexander Kammerer

Student, Blogger, Leser. Bloc Party und Bob Dylan Enthusiast. Motto/Ästhetik: "Schönheit ist Freiheit in der Erscheinung" - Friedrich Schiller

  • Koko

    Die Sache ist, dass du leider Recht hast…
    Auch nach eienr ausführlichen Diskussion mit dir musste ich dir immer wieder zustimmen…

    Mach weiter 🙂 Immer wieder schön zu lesen!

    MfG
    Koko

  • Pingback: Im COG nichts Neues | Alexander Kammerer()