Herr Eisenschenk – zwei Personen in einem Körper

„Bei manchen Artikeln in der Wahlkampfzeit lohnt es sich eigentlich nicht, darauf zu reagieren.“ – Karl Rammelsberger, Georg Schaller (beide SPD)

Das Amt als Provokation

„Aus einem völlig unpolitischen Artikel in der letzten Ausgabe der Bürgerzeitung „wir“ die Behauptung abzuleiten, dass der Aufenthalt des FC Bayern München im Dolce Hotel ein reines Verdienst der örtlichen CSU ist, bedarf eigentlich keiner Kommentierung.“ – Karl Rammelsberger, Georg Schaller

Der Euphemismus „Bürgerzeitung“ – diese Zeitung hat so wenig mit Bürgern zu tun, wie ein Kampfeinsatz nicht mit Krieg zu tun hat – mit dem großartigen Namen „wir“ gibt den Anschein in diese Zeitung involviert zu sein. Dass das Dolce Hotel eine direkte Folge des Milliardengrab Ballhausforum ist, scheint nicht zu interessieren. Ohne Dolce kein FC-Bayern – oder mag man die Profis im „Star Inn“ unterbringen? Die Ironie hinter der Formulierung „eigentlich keiner Kommentierung“ wird von dem „eigentlich“ komplett zerstört. Denn eigentlich wollte ich auch keinen Blogartikel verfassen – eigentlich.

„Genauso verwirrt könnte man behaupten, dass der FC Bayern heute im Hans-Bayer-Stadion trainiert nur der SPD zu verdanken ist, da dieses vom Namensgeber und verstorbenen SPD-Bürgermeister errichtet wurde.“ – Karl Rammelsberger, Georg Schaller

Abgesehen von dem verwirrenden Satzbau, muss man anfügen, dass ein Stadion allein noch keinen FC-Bayern anlockt. – Da hätte man auch viele andere Stadien auswählen können, die besser liegen oder ein besseres Ambiente bieten. Wenn man schon beim Sport ist, holt man doch gleich noch zum Seitenhieb aus:

„Den offenen Aufruf zur Wahl der CSU-Kandidatin Frau Weinzierl bei der Bürgermeisterwahl 2013 macht Herr Eisenschenk nicht etwa als Mitglied des Unterschleißheimer CSU-Vorstandes, das er seit vielen Jahren ist, sondern als Abteilungsleiter des SV-Lohhof.“  – Karl Rammelsberger, Georg Schaller

Die Determinierung von Herrn Eisenschenk auf das Amt des Abteilungsleiters des SV Lohhof, ist ebenso frech, wie falsch. Herr Eisenschenk schreibt seinen Leserbrief immer auch in der Position seiner eigenen Meinung und seiner eigenen Person. Als Subjekt ist er zwar auch teilweise in seiner Position als Abteilungsleiter, dennoch genügt selbst ein Untertitel unter der Angabe, wer den Artikel verfasst hat, nicht, um eindeutig festzulegen, dass er diesen Aufruf in der Position als Abteilungsleiter verfasste. Gleichsam bestand zwar Zusammenhang zum SV Lohhof, doch habe ich keinen direkten Aufruf an die Mitglieder des SV Lohhof herauslesen können. – Nebenbei ist es nicht so, dass Herr Eisenschenk seine Vorstandsposition geheim ausüben würde und dieser Artikel Geheimes enthüllen würde.

„Wir sind uns sicher, dass die Mitglieder des SV Lohhof diesen parteipolitischen Wahlaufruf in Namen des SV Lohhof verurteilen und als Verstoß gegen die politische Neutralität des SV Lohhof sehen.“ – Karl Rammelsberger, Georg Schaller

Die Verschmelzung von Person und Amt ist allein hervorbeschworen. So hat Herr Eisenschenk gerade darauf verzichtet, seine Person als CSU-Vorstandsmitglied noch weiter offen zu legen. Oder ist es inzwischen Usus einen Lebenslauf bzw. alle möglichen Ämter dem Verfasser als Untertitel anzustellen?

Keep calm and relax – Die Selbstreflexion rettet den Tag

Ich als Mitglied des SV Lohhof sehe diese Äußerung ruhig und besonnen. Gleichsam mag man sich Gedanken machen, ob man selbst in Artikeln bezüglich dem Osterlauf auch immer neutral blieb, wenn man anbringt, dass Herr Böck mit seinen beiden Kindern zugegen war. – Weiterhin: Wenn man damit argumentiert, dass Herr Eisenschenk die Mitglieder animiert hätte, Frau Weinzierl zu wählen und nun einen Nachteil für Herrn Böck befürchtet, so spricht man den Bürgern das Recht der Reflektion ab. Man macht sie zu Objekten, die ohne jede Selbstreflexion im Wahlkampfgetöse hin- und herschwanken. Zumindest ich treffe die Entscheidung, wen ich wähle nicht danach, was mir der Abteilungsleiter meines Sportvereins empfiehlt, sondern halte mich an Kant:

„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.“

 

Quelle: Lohhofer Anzeiger vom 28.04.2012

Veröffentlicht von

Alexander Kammerer

Student, Blogger, Leser. Bloc Party und Bob Dylan Enthusiast. Motto/Ästhetik: "Schönheit ist Freiheit in der Erscheinung" - Friedrich Schiller