Das Imperium schlägt zurück – Bibliothekssperre am COG

Nachdem ich heute den festen Plan hatte, in meiner Freistunde in der 5. Stunde in die Neustrukturierung des Meldungs-Systems im COG-Net einzusteigen, war ich sichtlich überrascht, als mir die Bibliothekarin mitteilte, dass wir aber schon den Zettel gesehen hätten, auf dem stand, dass die Bibliothek um 11:30 schließt. Und tatsächlich. Ferner hieß es, dass aufgrund des Vandalismus in der Bibliothek (genauer: Müll/Essensreste und mutwillige Zerstörung an den PCs) die Bibliothek jeden Tag um 11:30 schließe bis eine Lösung gefunden wäre. Lösungen seitens der Schüler wären willkommen.

Macht ihr doch mal, wir haben keine Lust mehr.

Dieser Zettel erweckte doch sehr den Eindruck, dass die Schulleitung resigniere und jetzt die Reißleine ziehen würde. Doch warum?
Gerade im hinteren Bereich der Bibliothek war in letzter Zeit häufiger  Müll auf dem Boden gelegen und vor kurzer Zeit wurde beim Herumtollen von zwei Zehntklässlern ein Regal umgeworfen. Das sind verständliche Gründe, warum man so einen Schritt erwägen kann. Dennoch ist die Bibliothek nicht zum persönlichen Vergnügen der Schüler allein da. Viele Schüler, gerade aus der Oberstufe, genießen den Aufenthalt dort.

Ein Ort der Zusammenkunft

Die Oberstufenbibliothek ist – und das kann niemand bestreiten – ein Ort der Zusammenkunft von Schülern. Dabei sind die Schüler im Grunde gezwungen, sich hier zu treffen. Die Kollegstufenzimmer sind nichts als jämmerliche Versuche, diesen Kult der letzten Jahre aufrecht zu erhalten. 5m² für bis zu 50 Schüler je Stufe, die teilweise gleichzeitig Mittagspause haben. Noch dazu, da bisher meist die Schüler, die Hausaufgaben oder sonstige Arbeit machen wollten, die Bibliothek aufgesucht haben, während Schüler, die ihre Pause zur Entspannung nützen, das Kollegstufenzimmer nutzen. Dafür reicht der Platz auch.

Aula und Mensa – Alternativen?

Die Aula ist ebenfalls kein geeigneter Ort. Die Tribünen sind lediglich geeignet, um dort die Pause zu verbringen oder sich kurz niederzulassen, jedoch kein Ort für Hausaufgaben oder um sich einfach einmal hinzusetzen und etwas zu arbeiten. Dazu fehlen die Tische. Die Sitzgelegenheiten unterliegen selbst dem Charme eines 2. Liga-Fußballstadions mit ihren strahlend blauen, von den Pausen verdreckten Böden und harten Holzsitzen.

Und was ist mit der Mensa? Die Mensa ist selbst mit geteilter Pause meist ein lauter, regsamer Raum, in dem man selten die Ruhe findet, etwas zu arbeiten. Noch dazu, da sie manchmal bis 13:45 von Leuten, die ihr Essen zu sich nehmen, belagert wird. Und wer soll es ihnen vorhalten? Es ist ein Speisesaal, kein Arbeitsraum.

Konsequenzen: Die Abwertung der Buchquellen.

Die Sperre hat weitreichende Konsequenzen. So wird die Bibliothek gegenüber dem Internet ein weiteres mal deutlich abgewertet. Wenn man – wie von vielen Pädagogen gefordert – die Pause für Erholung und Erfrischung verwendet, so muss man sich Gedanken machen, wann man die Bibliothek nun noch für Recherchen zu diversen Themen nutzen kann. Reichen zweimal 20 Minuten am Tag, um sich ausreichend vertraut zu machen und sich auch mal ein Buch auszuleihen, oder fördert diese Maßnahme die Tendenz anstatt Buchquellen einfach Google zu befragen?
Wer kennt sie nicht, die viel gescholtenen Wikipedia-Referate. – Der Albtraum eines jeden Lehrers. Aber wer mag sich noch beschweren, wenn man Schülern auch noch diese letzte Option auf Quellen nimmt? Niemand wird je seine Pause dafür opfern, sich Bücher auszuleihen, wenn er zu Hause mit 2 Klicks vermeintlich adäquate Informationen erlangen kann.

Man nimmt der Bibliothek des Weiteren ihren eigentlichen Zweck, nämlich ein offener Raum für Informationen zu sein. Was machen Schüler, die keine Freistunde vor 11:30 haben?

Die Rache als Kollektivstrafe in Verkleidung einer „Notbremse“

Wen bestraft man mit einer solchen Maßnahme? – Diejenigen Schüler, die ihren Müll herumliegen lassen? Diejenigen Schüler, die Regale umschubsen? Diejenigen Schüler, die Computer für Spiele nutzen? – All diese Tätigkeiten kann ich auch zu Hause erledigen. Diese Leute trifft die Sperre keineswegs.

Den Schülern, welche die Computer angemessen genutzt haben und in der Bibliothek gearbeitet haben, nimmt man jedoch jegliche Möglichkeit das auch weiterhin zu tun.

Wenn ich damit argumentiere, dass viele Leute die Bibliothek gerne nach 11:30 nutzen würden, es aber nicht können, so komme ich zu dem Schluss, dass die Bibliothek ihren Zweck verliert. Wenn ich jedoch damit argumentiere, dass der Großteil der Leute schon vor 11:30 die Bibliothek nutze, so muss ich mir Gedanken machen, was eine Sperre überhaupt nutzt, wenn die „Schandtaten“ doch schon mit großer Wahrscheinlichkeit vorher geschehen.

Verantwortung braucht das Land!

Übernehmt Verantwortung, lautet der Tenor der Schulleitung gegenüber den Schülern. Man solle sich selbst um das Vandalismus Problem kümmern, da es der Gruppe der Schüler entspringe. Wenn das nicht funktioniere, so müsse man eben Maßnahmen ergreifen. – Über Vorschläge freue man sich aber.

Über die Absichten der Schulleitung hierbei kann nur spekuliert werden. Vielleicht ist es bezweckt, dass ein Aufschrei durch die Oberstufe geht, die diese Sperre am meisten trifft. Vielleicht will man „die Muskeln spielen lassen“. Aber am wahrscheinlichsten ist es, dass man zum Nachdenken anregen will. Die Konsequenzen des eigenen Handelns klar machen. Doch ob dies fruchtet, steht in den Sternen. – Vor allem, da man die Schmutzfinken wohl hiermit nicht erreichen wird.

Vorschläge

Meiner Meinung nach, kann man viel damit steuern, indem man den Zugang zu den Computern limitiert. Allein Oberstufenschüler sollten die Möglichkeit haben, sich anzumelden. Der Bereich um die Computer war hierbei das Problemfeld. Auch eine verstärkte Überwachung der Aktivitäten am Computer und Sperren für Schüler, die die Regeln missachten, wirken abschreckend.

Das Problem bei all dem liegt im Prinzip

Bei allem Lamentieren über die Zustände sollte man nicht vergessen, dass eine Schule eine Schule bleibt. Selbst wenn die Schule sich Gymnasium nennt.

Vandalismus ist in vielen Bereichen ein Problem. Aber man kann nicht jeden Bereich einfach schließen (Beispiel Notrufsäule). Letzten Endes kommt es darauf an den Schüler zu vermitteln, dass die Bibliothek allein ihnen nutzt. Aber das Problem der „Ausreißer“, derjenigen Leute, die das nicht kapieren oder sich dagegen stellen, wird bestehen. – Aber wegen ihnen eine ganze Gruppe leiden zu lassen ist nicht fair.

Update (28.03.2012 – 22:00)

Die Schulleitung scheint wohl das selbe zu probieren, wie bei der Mensa. So soll die Bibliothek nach den Ferien wieder freigegeben sein, da man hofft, ähnlich wie bei der Mensa mit diesen Maßnahmen erfolgreich zu sein.

Veröffentlicht von

Alexander Kammerer

Student, Blogger, Leser. Bloc Party und Bob Dylan Enthusiast. Motto/Ästhetik: "Schönheit ist Freiheit in der Erscheinung" - Friedrich Schiller