Der Mensa-Verfall

Warum die Mensa auf ganzer Linie gescheitert ist.

Die Mensa ist gestartet als Prestigeprojekt der ökoverliebten, umweltverträglichen Behindertenwerkstätte Iwentcasino – ein Angebot von gesundem, abwechslungsreichem und vor allem bezahlbaren Essen für Schüler. Jeglicher Versuch der Kritik im Vorfeld prallt schon allein wegen geballten Kraft an ideologischer Indiskutabilität ab. Dazu noch eine motivierte, sich kümmernde Managerin, die den Eltern mithilfe von Flyern das Konzept verinnerlicht.

Zu gut, um wahr zu sein?

Nach ausreichenden Erfahrungen mit der Mensa kann ich ohne Selbstzweifel oder Gewissensbisse sagen, dass die Mensa auf ganzer Linie gescheitert ist.

Die Raumplanung ist gescheitert: Die Küche ist zu klein, die Ausgabe für die vielen Schüler, die pro Pause dort essen wollen, nicht ausreichend und inzwischen baut man quasi „Anstellschlange-Leitsysteme“, improvisiert weitere Kassen. Das ganze sieht nicht wie geplant aus, es weckt vielmehr den Anschein von Verzweiflungstaten.
Die Zusammenarbeit ist gescheitert. Ich als längjähriger Mitarbeiter des Homepageteams bin die Versprechungen der Mensa inzwischen leid. Was hat man uns nicht alles zugesichert dafür, dass wir eine Homepage für die Mensa erstellen. Die Bilanz: Seit inzwischen gut 1,5 Jahren warten wir auf jegliche Dankeschön-Leistungen. Anstatt dessen erhalten wir von Frau Bauer eine Versetzung nach der anderen, die am letzten Elternsprechtag angekündigte Verbesserung des Verhältnisses war nur eine weitere leere Versprechung.
Auch mit der Schulleitung ist die Zusammenarbeit nicht rosig. Die Krisen sind unzählig. Alles gipfelte in der verheerenden Evaluation der Zufriedenheit der Schüler mit der Mensa. Die Mensa war im Durchschnitt in jeglicher Hinsicht bedeutend schlechter als der Schuldurchschnitt. Hygiene, Essensausgabe und Anstellzeiten hatten verheerende Ergebnisse. Daraufhin setzte man sich von der Schulleitung mit Mensabetreiber, SMV, einigen Lehrern und dem Evaluationsteam zu einer konstruktiven Runde zusammen. Doch anstatt die Punkte anzusprechen, beschäftigte man sich die längste Zeit damit, die Evaluation zu bagatellisieren, das Evaluationsteam zu kritisieren und den Gehalt der Umfrage zu negieren. Was hätte das Evaluationsteam nicht alles noch machen können. Beispielsweise offene Fragen stellen. Und dann kann man der Meinung der Schüler auch nicht zu viel Gehalt zu rechnen, schließlich schalten die sofort in den „Alles-Scheiße“-Modus, sofern sie das Wort Mensa auch nur in der entferntesten Weise hören. Dass das Team insgesamt 50.000 einzelne Bewertungen von den Schülern erhalten hatte (das konnte man nur durch eine Software analysieren), man bei 400 befragten Schülern keine offene Fragen stellen kann – wie auch, wenn man den Schülern schon keine Vernunft bei der Beantwortung der Umfrage zutraut – wenn das Team selbst nur aus 15 Leuten besteht, dies war nicht so wichtig. Schließlich war man ja zusammen gekommen, um einmal über die Evaluation zu sprechen. Ich kann sagen: Das hat man auch getan.

Die ökologische Komponente der Mensa ist gescheitert. Der Klima-Tag, an dem man auf das „klimaschädliche“ Fleisch verzichtet, ist eine inzwischen weit verbreitete Maßnahme in Jugendherbergen und Schulmensen. Ob wirklich das Klima oder lediglich der Aspekt, dass vegetarisches Essen billiger als Fleisch ist, im Vordergrund steht, sei dahingestellt.
Es bleibt zu sagen, dass die Mensabetreiber nach außen hin eine sehr ideologische Sicht wahren, betrachtet man aber folgendes Beispiel, so wird es klar: Falls es in der Mensa Schnitzel gibt, erhält man keinen Nachschlag. Denn: Ein Schnitzel ist ein Schnitzel. (Egal, ob das Schnitzel auch mal nur eine Handinnenfläche misst.) Nun, die Mensa verkauft nämlich die Schnitzel, die übrig bleiben, am nächsten Tag als Schnitzelsemmel. Eigentlich eine Todsünde. Denn eine Schnitzelsemmel ist mit der Gesundheits-Philosophie in keinster Weise vereinbar. Eine Semmel aus Weißmehl (!) und zusätzlich noch ein Stück Fleisch (!) mit alter Panade, in Fett herausgebacken. Was damals noch als Argument gegen die diabolisierte Köhler-Semmel galt, ist inzwischen relativiert. Letztlich geht es nämlich vor allem um eins: Um das Unternehmen, das hinter all der Ideologie und dem Gutmenschentum steht. Und ein Unternehmen muss ökonomisch, nur in zweiter Linie ökologisch denken. Wenn es um den Profit geht, dann drückt man gern mal ein Auge zu. Schließlich kann ja eine Schnitzelsemmel auch nicht so schlimm sein.

Wann kehrt die gute alte Köhlersemmel zurück?

Und täglich grüßt das Murmeltier: Wann die Leberkässemmel in den Pausenverkauf zurückkehrt ist unsicher. Jedenfalls hat es die Schnitzelsemmel schon einmal geschafft, neben dem Tofu. Auch hier offenbart sich, nichts kann allein gut sein (http://www.urgeschmack.de/problem-soja/). Es gibt kein Entrinnen vor der Dualität jeglicher Handlung, auch und vor allem nicht im Ökologie-Wahn unserer Gesellschaft.

Veröffentlicht von

Alexander Kammerer

Student, Blogger, Leser. Bloc Party und Bob Dylan Enthusiast. Motto/Ästhetik: "Schönheit ist Freiheit in der Erscheinung" - Friedrich Schiller

  • Andi

    Die Mensa ist immer noch so schrecklich. Wundert mich aber ehrlich gesagt auch nicht. Guter Artikel, der mir all meine Erinnerungen an die Mensa wieder ins Gedaechtnis ruft. Nur deinen finalen Satz find ich nicht gelungen. Der „Oekologie-Wahn“ ist teilweise sehr vernuenftig, ich sehs hier jeden Tag, wo man fuer uns Deutsche selbstverstaendliche Mittel einsetzten koennte, um Energieeffizienz beispielsweise zu verbessern. Das eigentlich fatale an der Mensa ist aber einfach die Doppelmoral zwischen Oekologie und Oekonomie.
    Und da wird letzteres, wie du schon gesagt hast, einfach deutlich hoeher geschaetzt, obwohl man sich nach aussen ganz dem ersten verschrieben hat. Scheinheiliges Getue also

  • MSC

    Auf den Punkt gebracht.
    Ein ökokritischer ex-COGler.