Honeymoon

Lana Del Rey hat es schon wieder getan: am 18. September ist ihr neues Album erschienen. Nur ein gutes Jahr nach ihrem letzten Album Ultraviolence.

Kann sich da so viel geändert haben? – An der Melancholie jedenfalls nicht. Was wäre Lana ohne Melancholie? Die Stimme, Mimik, Intonation und ihr Verhalten sind so sehr von Melancholie dominiert, man fragt sich, wie es wohl ist, wenn sie tatsächlich einmal ein Requiem singt.

Cover Photo des neuen Albums (c) Interscope/Polydor UK
Cover Photo des neuen Albums (c) Interscope/Polydor UK

Wo Ultraviolence Macht und Pläne verdeutlicht (Money, Power, Glory und I fucked my way up to the top), wie auch die Klarheit darüber, was man will und wer man ist („But that’s not what this bitch wants“), präsentiert sich Honeymoon ganz sensibel, leise fast („Terrence Loves You“).

Ultraviolence drängt und pulsiert in jeglicher Hinsicht („He used to call me DN / It stood for deadly nightshade / Cause I was filled with poison“). Lana singt davon, wie sie diese Gewalt will und braucht („Give me all that Ultraviolence“).

Dagegen ist Honeymoon viel weniger akut, weniger aktuell und mehr in der Retrospektive: „God knows I loved / God knows I lied / God knows I lost“ (God Knows I Tried). The Blackest Day handelt vom Umgang mit Leid und Trauer: „Ever since my baby went away / It’s been the blackest day“. Wer möchte nicht so geliebt werden, dass sein Verlust der schwärzeste Tag im Leben des Partner ist?

Der Song „Religion“ besticht im Refrain mit dem wunderschön gesungenen Vers „Halleluja, I need your love“. Es geht darum, wie eine Frau sich ganz für den einen Mann hingibt, ihn bedingungslos liebt: „When all my friends say I should take some space / Well I can’t envision that for a minute“.

Das ist gänzlich anders als noch in Ultraviolence, wo die Beziehung eine Möglichkeit zum Aufstieg war, der Mann austauschbar („I’m gonna take them for all they got“ in Money, Power, Glory). Schon im ersten Song „Honeymoon“ geht es darum, wie Lana sich an einen schwierigen Mann bindet. Sie wünscht es sich aber so, es ist ihr Traum.

Durch das ganze Album zieht sich ein Stimmungsschwung, es ist gleichzeitig ganz anders als das vorherige (allein die Veränderung im Namen, von Ultraviolence zu Honeymoon!) und doch völlig typisch für Lana Del Rey. Die Veränderung ist faszinierend.

Nach einer Phase des Sturmes kommt die Besinnung („You want more (Why?)“ – Art Deco). Der Schritt zurück von sich selbst. Und man geht in eine ganz andere Richtung. Aber es ist in jedem Moment, jeder Note klar, wer das singt. Man stellt sich Lana Del Rey singend bei gedämpften Licht vor, auf einer großen, weiten, leeren Bühne.

Überall im Album wird der Verfall einer Beziehung klar. In „High By The Beach“ („We won’t survive, we’re sinking into the sand“), in „Terrence Loves You“ singt Lana „And I lost myself when I lost you“, in „Religion“ ist es die notwendige Folge der Obsession für den Partner, in „God Knows I Tried“ ist es sogar ein Stück mehr: „I’ve got nothing much to live for“.

Ein wenig scheint dann Ultraviolence noch durch, wie in „High By The Beach“:

Anyone can start again
Not through love but through revenge
Through the fire, we’re born again
Peace by vengeance, brings the end

Was aber bleibt am Ende vom Honeymoon? – „Dreaming away your life“. Alles bloß Traum, alles Schall und Rauch.

 

Mein Lieblingssong (selbstverständlich eine schwere Entscheidung) ist derzeit „Art Deco“:

Veröffentlicht von

Alexander Kammerer

Student, Blogger, Leser. Bloc Party und Bob Dylan Enthusiast. Motto/Ästhetik: „Schönheit ist Freiheit in der Erscheinung“ – Friedrich Schiller