Organisatorische Maßnahmen am COG

Wie das Kultusministerium bestimmt – und die Schulleitung die Eltern befriedigt.

Seit Ende des letzten Schuljahres versucht das Kultusministerium vermehrt den Stundenausfall an bayerischen Schulen zu bekämpfen. Denjenigen, die jetzt an mehr Lehrer, eine breitere Reserve oder eine Aufstockung der Referendarszahlen denken, ein gepflegtes: Pustekuchen!
Das Problem wird radikal – also an der Wurzel – angegriffen. Man schraubt an der Statistik und führt die Kategorie „durch organisatorische Maßnahmen aufgefangener“ Unterrichtsausfall ein. Man definiert einfach das Problem hinweg. Ähnlich einem absoluten Herrscher, gibt das Ministerium die Maxime aus: „Es gibt keinen Stundenausfall mehr!“ Das erinnert doch sehr an die Frau Ludwigs des XVI zur Zeit der französischen Revolution, als die Leute kein Brot zu essen hatten: „Dann sollen sie doch Kuchen essen!“ „Organisatorische Maßnahmen“ sind eben jene Kategorie, zu der auch die Regelung zählt, die an unserer Schule galt. Schüler der Unter- und Mittelstufe verbrachten ihre Stunden, die ausfallen, in der Mensa. Es ist gut, dass diese Regelung aufgegeben wurde. Seit Jahren hingegen ist bekannt, dass an Bayerns Schule ein Mangel an Lehrer gerade für die naturwissenschaftlichen Fächer besteht. Anstatt hier neue Stellen zu schaffen, werden ehemals als Geologen tätige Hilfslehrer eingestellt und man wundert sich, wenn die pubertierende Mittelstufenklasse in der Folge den Anarchismus im Klassenzimmer postuliert. Das ist allein dem Versagen der letzten Regierung und ihrer Schulpolitik geschuldet. Die Realität, den Stundenausfall aufzufangen, gestaltet sich schwierig. Der Vertretungsplan ist von der Vorgabe geprägt, keine Stunden mehr ausfallen zu lassen. Das bedeutet, dass weitaus mehr Vertretungsstunden gegeben werden. Die Kinder sollen die Zeit, die sie in der Schule verbringen sollten, auch wirklich in der Schule verbringen. Hinter dem steht neben der Verhinderung von Stundenausfall auch der Umbau der Schule von der Bildungs- und Ausbildungsstätte hin zur Betreuungsstätte. Der Sinn dieser Vertretungsstunden allerdings, scheint – abgesehen von der Betreuung – nicht ausgeprägt zu sein. Hausaufgaben sollen die Schüler zu Hause erledigen, ein Arbeitsauftrag liegt nur in den seltensten Fällen vor, da der verhinderte Lehrer meist kurzfristig krank oder verhindert ist. So werden diese Stunden dafür genutzt, das reiche Filmangebot der Bibliothek zu genießen oder gar nichts zu tun. Eine Lernatmosphäre entsteht in den seltensten Fällen, der Vertretungslehrer hat die Klasse unter Umständen noch nie gesehen. Anstatt also den Schülern gleich frei zu geben, versucht man mit Aktionismus – einen Nutzen ziehen die Schüler daraus meist nicht – die Eltern zufrieden zu stellen. Und das Kultusministerium kann sich getrost wieder selbst auf die Schultern klopfen oder ihre neue „mobile Reserve“ anpreisen, frei nach Georg Büchner: „So Herr Landrat. Sie sehen wie die Intelligenz im Steigen ist.“

Veröffentlicht von

Alexander Kammerer

Student, Blogger, Leser. Bloc Party und Bob Dylan Enthusiast. Motto/Ästhetik: "Schönheit ist Freiheit in der Erscheinung" - Friedrich Schiller