Warum das Aufhebens?

Was ich mich nach der Geschichte mit der Bildungzeitung nur noch frage: Wozu dieser Blogeintrag heute?

Ich will gar nicht allzu lange Stellung zu dem Artikel nehmen. Ich möchte nur zwei Überlegungen anstellen und niederschreiben.

Ich habe ein paar Dinge ergänzt. Zu finden am Ende des Artikels.

Kritizismus

Was an dem Blog „Erbloggtes“ vor allem auffällt, ist die Kritik an vielem. Kritik ist gut, ein kritischer Mensch ist ein denkender Mensch. Allein: Wie weit kann ich es mit der Kritik treiben?

Wer stets nur gegenüber den anderen kritisch ist und eine Verbesserung an einer Stelle fordert, an der man es fast schon leid sein müsste, sie zu fordern, handelt nicht zielführend. – Beispiel: Die Bildzeitung ist kein allzu kritisches und abwägendes Medium. Ihre Berichte sind meist schlecht recherchiert oder gar erfunden. Das weiß in Deutschland geschätzt 90% der Population.

Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: Ich kann mich damit abfinden und die Zeitung ignorieren, den anderen Menschen durch meine einmal geäußerte und fundierte Kritik zeigen, was an der Zeitung schlecht ist.

Oder aber ich verbeiße mich, verbittere und gehe soweit, dass ich Aufkleber auf meinen Briefkasten klebe, dass ich eine Gratisausgabe der Zeitung nicht zugestellt haben möchte. Wegschmeißen ist somit schon ein Akt, der diesem propagandistischen Kapitalismusmedium nicht gebührt.

Bei all der Kritik, sollte man auch gegenüber sich selbst kritisch sein, abwägen und differenzieren. – Alles andere ist geistiger Inzest. (Danke, Martin, für diese herrliche Wortkombination.)

Nur die Sache zählt

Wie in diesem Kommentar geäußert, geht es angeblich nur um die Sache. Deshalb habe man mich auch „anonymisiert“. (Jeder hat die Zeitung verteilt bekommen. Jeder kann die Ausgabe digital lesen. Der einzige wirklich anonymisierende Griff wäre es gewesen, gar keinen Artikel zu schreiben. Warum eigentlich auch nicht? Diese Frage stelle ich mir seitdem ich den Artikel gelesen habe.)

„Die Moralinstanz, vor der jeder sich zu verantworten hat, nennt man übrigens Öffentlichkeit. Das ist eine Errungenschaft der Aufklärung und Grundvoraussetzung für die so hochgeschätzte Meinungsfreiheit.“

Es geht auch nicht darum, sich selbst als Moralinstanz aufzuführen, vor der sich jeder (die Stiftung, ich, die Bildzeitung, etc.) zu verantworten habe – es geht hier nur darum, dass man seit der Aufklärung sich vor einer anderen Moralinstanz zu verantworten habe: Der „Öffentlichkeit“.

Gut, das ist mir kaum neu. So lautet der kategorische Imperativ zwar von dem verschieden, aber vermutlich meint man, dass seither die Presse das Organ der Öffentlichkeit war. Und dem ist man als Bürger nun mal verpflichtet.

Worum es also geht

Zuletzt noch, warum der Artikel entstanden ist:

Die Beweggründe für den Artikel lassen sich in ihm selbst wiederfinden, sie werden dort durch markierende Formulierungen sogar besonders hervorgehoben. Was vielleicht den Blick darauf verstellen mag, worum es hier geht, ist die Annahme, es ginge um eine Person. Niemandem, dessen öffentliche Äußerung ich wahrgenommen habe, geht es um A. K. aus M. Nicht der Zeitung, nicht den Facebook-Kommentatoren, nicht den Twitterern, nicht mir und nicht dem Bildblog, und auch den Kommentatoren oben nicht. Für sie alle ist die Person, um die es angeblich geht, völlig irrelevant.

Und letztlich liegt hierin das Problem der Sache: Niemandem geht es um die Person, niemand sieht den Menschen hinter der Meinung. Aber wenn ich die Meinung verteufle, so treffe ich den Menschen meist auch.

Da steht „CSU“, „Einserabiturient“ und irgendwo hat man noch „Hanns-Seidel-Stiftung“ gelesen und schon formt man sich seine Vorstellung zusammen: Dass es Zufall war, dass ich CSU wähle und gerade zu dem Zeitpunkt nicht mein Handy ausgeschaltet hatte, zu dem der Redakteur anrief, ist egal. (Noch dazu, wozu dann der gesamte letzte Absatz des Artikels, wenn es nicht um mich ging?)

Allein diese Kombination erlaubt es, die Bild zu verteufeln. Allein diese Kombination erlaubt es, mich als den hinzustellen, der bei dieser Schweinerei mitmacht. Allein diese Kombination erlaubt es, wieder einmal sagen zu dürfen, wie undemokratisch die Bildzeitung ist. Wenn man sich all die Vorwürfe in dem Blogartikel durchliest, könnte man meinen, demnächst muss ein Ethikrat alle Artikel der Bildzeitung auf korrekte Widerspiegelung der Gesellschaftsschichten prüfen.

Könnte man sich jetzt bitte wieder beruhigen. (Sogar der „Watchblog“ BILDBlog hat auf den Artikel hingewiesen.) Niemand hat wegen mir sein Kreuzchen an der anderen Stelle gemacht. Sicher nicht. Doch nicht wegen einem Schnösel und bajuwarischen (ja, das Adjektiv gilt inzwischen als abwertend) Dampfplauderer.

Niemand wurde von mir gekränkt, diskriminiert oder sonst was. Es gab nur zwei kleine kontroverse Sätze, eine Parteipräferenz, ein Bild und den Hinweis auf „Einserabiturient“, der die Gemüter erhitzt hat.

Wenn man sich jetzt bitte wieder auf Dissertationen, Fehler in der Berichterstattung oder sonstige Themen, die kritisch begutachtet werden müssen, konzentrieren könnte.

Was bleibt

Was bleibt, ist nichts. Für mich folgt aus dem ganzen kein Erkenntnisgewinn. Ich würde das Interview nach wie vor geben.

Ich habe nur gemerkt, dass man nicht auf Mitleid hoffen darf. – Es sei denn, es geht um Leute, die einen persönlich kennen. Und das ist es auch, was zählt: Wer mich persönlich kennt, durchschaut die Situation, bekräftigt mich. Und nur auf diese Leute kommt es an:

„Ab imo pectore.“ – Lukrez, De Rerum Natura III

 

Ergänzung:

Der BildBlog hat den Artikel von „Erbloggtes“ ebenfalls weiterverbreitet, sowie Rivva. Hier ein paar kritische Artikel zu „medienkritischen“ Bloggern.

http://www.welt.de/kultur/article1708089/Der-BILDblog-und-die-Fehler-der-Anderen.html

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/schweinchen

http://www.xn--jrg-friedrich-imb.de/2008/02/12/ein-scheingefecht-niggemeier-gegen-broder/

http://www.netzblogr.com/kleine-bildblog-kritik

Veröffentlicht von

Alexander Kammerer

Student, Blogger, Leser. Bloc Party und Bob Dylan Enthusiast. Motto/Ästhetik: "Schönheit ist Freiheit in der Erscheinung" - Friedrich Schiller

  • Andreas

    Die mediale Propaganda (nicht nur) der Bild wird eben nicht von 90 Prozent der Leser als solche erkannt oder gar kritisch in Frage gestellt. Vielen mangelt es am nötigen Hintergrundwissen, Medienkompetenz etc. Warum ist das so? Tja, hier kommen dann Parteien wie die CSU ins Spiel, die etwa ein durchlässiges Bildungssystem zuverlässig verhindern und natürlich am Fortbestand der Klassengesellschaft (Gnade der privilegierten Herkunft) interessiert sind.

    Mit einem Einser-Abitur sollte man diese Mechanismen kennen. Und wenn das der Fall ist, dann geht es eben nur um die Verteidigung und Ausbau der (Kapital-) Macht der oberen 10.000 und die Brotkrümel für deren Helferlein. Andere Wahlgründe für CDU/CSU/FDP fallen mir auch gar nicht ein.

    Das „C“? Jesus Christus war Kommunist, der würde bestimmt keine CSU wählen – und die Bild / Springer verabscheuen.

  • Missing Link

    @ A. Kammerer
    Deine Fragen und deine Ratlosigkeit zeigen überdeutlich, daß deine Prägungs- und Sozialisierungsphase in virtuellen Welten stattgefunden hat, dein Menschenbild ist schlicht unrealistisch, die Realität trifft dich mit „blanker Brust“ wie die polnische Reiterei im 2. Weltkrieg 🙂 . Die erforderliche Nachbesserung wird dir noch oft weh tun.
    Erbloggtes versteckt unter ihrem ganzen Wortgeklingel nur ihren Hass auf Bildzeitung und CSU, wie es ja schon bei den 68ern war, da hilft auch das ganze nachgeschobene Pharisäertum nichts, demokratische Gesinnung wird nur vorgeschoben. Zitat:
    „Die Zeitung suchte offenbar dringend noch einen Erstwähler, der sich dazu bekennen würde, seine Stimme bei der Bundestagswahl an die CSU zu geben. Denn unter den 32 Erstwählern (die auch im Internet vorgestellt werden) hatte keiner eine solch abwegige politische Orientierung eingeräumt. “
    Sei künftig vorsichtiger und „tobe dich erst später aus“, wenn du etwas mehr Lebenserfahrung hast. Übrigens: Hass ist prinzipiell nichts Schlechtes, auch ihn hat „der liebe Gott“ dem Menschen geschenkt, er wird sich schon etwas dabei gedacht haben…:-)

    • Adapterstecker

      Sowas wollte ich auch gerade schreiben, besonders den erste Absatz…

      AK: Es geht hier gar nicht so sehr um dich oder dein von Mami und Papi etwas zu sehr geförderte Ego, sondern darum, dass sich alle anderen außer dir wundern wer als 18jähriger in 2013 ernsthaft noch CDU wählt. Und was da dann vor allem bei der Erziehung alles schiefgelaufen ist.

      • Alexander Kammerer

        Ja. Es ist schon sehr verwerflich, zu seinen eigenen Überzeugungen zu stehen. – Aber wie gesagt: Ich merke, andere haben die Wahrheit längst durchschaut. Vom Baum der Erkenntnis gegessen. Da kann ich als verhätschelter Mami-und-Papi-Liebling nicht mithalten.

        Viel Spaß mit dieser „Erkenntnis“. Mich überzeugt das arrogante Gelaber, von wegen „Du wirst es schon noch lernen“, nicht.

        • Missing Link

          Natürlich sollst du zu deiner Überzeugung stehen, aber du mußt sie doch nicht ausgerechnet bei der Bildzeitung „zum Fenster heraushängen“. Hättest du in der Auseinandersetzung mit Gleichaltrigen in deiner Kindheit gelernt, wie die Menschen wirklich sind, wärst du vorsichtiger gewesen. Jetzt siehst du, wieviel Dummheit, Bösartigkeit und undemokratische Gesinnung auf dich zugerollt sind. Ich hoffe, du hast mich jetzt verstanden.

          • Alexander Kammerer

            Aber warum darf ich das denn nicht tun? Was ist daran so falsch und verachtenswert? – Kann es denn nicht völlig egal sein, wenn jemand so etwas sagt? Und warum werde ausgerechnet nur ich hier so angegangen? (Oder beobachten Sie auch in anderen Fällen eine ähnliche Reaktion? Noch dazu: eigentlich wählt die Mehrheit der Menschen in meinem Alter CSU.

  • Missing Link

    Natürlich darfst du das tun, nichts ist falsch oder verachtenswert. Du lebst in einem freien Land und bist volljährig, aber du mußt dann das, was dir passiert ist, auch mit Schulterzucken hinnehmen. Der Mob ist nun mal heutzutage rot-grün-braun, und Mob gibt es zu allen Zeiten und überall, er sucht sich seine Opfer, bei dir brauchte er nicht lange suchen.
    Mach dir auch mal ein paar Gedanken darüber, warum Wahlen wohl geheim sind und warum so ein großes Bohai um den Datenschutz gemacht wird.

  • Grzegorz Waryński (@GWarynski)

    Lieber Alexander Kammerer,

    da passt doch einiges nicht zusammen. Man kann sich doch nicht von der Hanns-Seidel-Stiftung für die Bild-Zeitung als beispielhafter CSU-Jungwähler rekrutieren lassen, sich dort dann als Einser-Abiturient vorstellen und mit dem Abitur-Zeugnis in der Hand abfotografieren lassen, und hinterher dann erklären, dass 90% der Bevölkerung doch sowieso wissen, was für ein schrottiges Propagandamistblatt die Bild ist. Denn das hast Du ja hinterher erklärt.

    Es ist ja völlig in Ordnung, sich von der Hanns-Seidel-Stiftung fördern zu lassen, wenn man es denn will und brauchen kann. Aber sich benutzen lassen – das ist eine andere Sache. Und auch Journalisten gegenüber hat man Rechte und muss sich nicht einfach willenlos preisgeben. Weltweise lateinische Zitate helfen da im entscheidenden Augenblick allerdings weniger.

    Noch etwas: Es heißt zwar „das Dingens“, aber niemals „das Aufhebens“.

    Und schließlich: Dein neues Header-Bild ist unbedingt ein Fortschritt. Das geht in die richtige Richtung. Dass die Tapete nicht jedermanns Geschmack sein wird, ist dabei nicht so wichtig.

    Pfiat di,
    Grzegorz

    • Aber warum sollte ich das denn nicht dürfen? In dem Beitrag waren alle Meinungen vertreten. Und: verwechseln Sie nicht Ursache und Wirkung. Hier ging es nicht darum, Parteien zu repräsentieren. Was die Bild gemacht hat, war, im gesellschaftlichend Durchschnitt (Polizisten, Soldaten, Kindergärtnerinnen, Gefängnisinsassen, Punks) die parteipolitischen Präferenzen zu erfragen. Ich wurde als Abiturient mit gewissen Leistungen befragt, nicht als CSU Wähler. Wie kommt man in München an den Kontakt von guten Abiturienten? Man fragt bei einer Stiftung nach. Dass es hier die Hanns Seidel war, kann man jetzt wieder als geplant, berechnet oder sonst was hinstellen. Aber dafür gibt es keinen Beweis.

      Ziel war es, ein schönes Foto zu generieren. Was daran falsch sein soll, sich mit dem Zeugnis abzulichten (es sind auch noch andere Fotos entstanden), ist mir unklar. Bei anderen Menschen scheint es kein Problem zu sein, einen Bezug zu ihrer gesellschaftlichen Herkunft herzustellen.

      Was alle Ihre Kommentare eint, ist das eine Problem: ich habe zugegeben, CSU zu wählen. (Wie man damit heutzutage Menschen beeinflussen kann, weiß ich nicht. Gerade, wenn man so viel Ärger in seiner eigenen Generation auf sich zieht, obwohl diese 40% CDU/CSU wählt.)
      Ich habe mich in meinem ersten Artikel auch nicht beschwert oder gar aufregt. Alles, was ich sagen wollte, war, dass ich meine Meinung habe. Und die lasse ich mir nicht nehmen.

      Und auch nicht von stichelnden Internetgenossen, die in einer Diskussion nicht die Größe haben, für zwei Minuten einmal nicht polemisch, zynisch oder persönlich angreifend zu werden.

      Kennen Sie nicht das Sprichwort: Viel Aufhebens um etwas machen?

  • Grzegorz Waryński (@GWarynski)

    Du schreibst: „Was alle Ihre Kommentare eint, ist das eine Problem: ich habe zugegeben, CSU zu wählen.“

    Nun habe ich das aber in keinem einzigen Kommentar zum Thema gemacht. Wie war das mit den Lateinsprüchen? Sapperlot, Audi oder so ähnlich? Ach ja, sapere aude.

    Interessant finde ich auch die Sache mit dem „Bezug zu ihrer gesellschaftlichen Herkunft“, der also in Deinem Fall durch das Einser-Abiturzeugnis hergestellt werden kann.

    Gut, lassen wir das. Sprache: Man kann „viel Aufhebens“ machen, nämlich eigentlich „viel des Aufhebens“. Ein verkürzter Genitiv. „Das Aufhebens“ geht aber nicht. In keinem Fall. Unabhängig von politischen Präferenzen.

    Dein Motto ist allerdings entwaffnend:

    „Am deutlichsten straft man seine Kritiker und “Ratgeber” mit Ignoranz und stoischem Stolz.“

  • Vincent

    Der Vorredner hat Recht, es gibt „Aufhebens“, aber du verwendest hier den Genitiv falsch.

    Davon abgesehen ist ein Linkhinweis kein Einverständnis mit einer geäußerten Meinung, das sollte gerade unter freiheitlich-gesinnten Bürgern eine Selbstverständlichkeit sein. Der betreffende Bildblogger teilt ja mit relativer Sicherheit auch nicht die Meinung des Artikels #6 vom selben Tag….

    • Vincent

      ….entschuldigung, folgendemTag.

    • Es ist mir ehrlich gesagt doch recht egal, ob es dieses Wort nun gibt, oder nicht. Oder welcher Casus ihm zugeordnet ist. Das hier ist kein Grammatik-Watchblog.

      Sicher, sicher. Das sagt ja auch gar niemand. Nur wird hier eben viel Wind um nichts gemacht. Der ursprüngliche Blogartikel war nie für irgendwelche bildkritischen Intellektuellen gedacht, die sich damit die Zeit vertreiben, darauf zu antworten und mich dann nicht einmal korrekt verstehen. Deshalb: wozu das Aufheben? (Ist die grammatikalische Seele jetzt beruhigt?)

      • Hans Z.

        @AK: Ich glaube, was manche hier und anderswo zunächst bloß überrascht hat ist tatsächlich Deine politische Gesinnung, denn damit liegst Du höchstens sehr regional im Durchschnitt.
        Kombiniert mit Deiner Selbstsicherheit – teilweise an der Grenze zur Selbstgefälligkeit – ist die Wut / Hass etc. überhaupt erst entstanden.

        Bei der Bild Geschichte hast Du etwas Entscheidendes misinterpretiert. Die wollten nie wissen, welche Gruppe welche Parteipräferenz hat.
        Sie wollten zeigen, wer die typischen Wähler der Parteien sind. Und genau da beginnt das Problem.
        Die große Mehrheit der Leser reflektiert eben nicht, was in der Bild steht und tut es als verdreht / erfunden ab. Ein großer Teil der Leser glaubt und vertraut dieser Zeitung. Und diese Zeitung (unabhängig / überparteilich) nutzt das, um Stimmungen zu erzeugen, Trends zu fördern, Politiker aufsteigen und wieder fallen zu lassen. Stets im Sinne der eigenen Auflage und mit stark konservativer Tendenz.

        Wenn also ein durchschnittlicher Bildleser die Gratisausgabe aufgeschlagen hat konnte er dort lesen, dass Homosexuelle & Gefängnisinsassen Grün wählen, Punks wählen Links und Leute die überdurchschnittlich intelligent sind (Einser – Abiturienten z.b.) wählen schwarz.
        Diese Klischees sind unverschämt verzerrt und bilden keinesfalls die Realität ab, stellen aber den engen Horizont des Blattes exakt dar.
        Es war eben kein Zufall, dass Du als Repräsentant der CSU Wähler ausgesucht wurdest. Man hat nicht nach einem typischen jungen CSU Wähler gesucht, sondern man hat jemand jungen mit vorbildlichen Leistungen gesucht, der auch CSU wählt. Weil Wohlstand, gute Ausbildung und Rechschaffenheit die Eigenschaften sind, die das Blatt den konservativen Parteien zuteilt.

        Psychologisch muss sich der Wähler, der die Bild liest einer der dargestellten Gruppen zuordnen lassen, wenn er seine Wahl trifft. Der durchschnittliche Bildleser wird sich weder mit Gefängnisinsassen noch mit obdachlosen Punks gemein machen wollen.

        Natürlich entscheidet nicht dieser eine Artikel darüber, wie gewählt wird, aber die Leute, die regelmäßig Bild lesen, bekommen dieses verzerrte Weltbild konstant vorgehalten. Und da ist dieser Artikel nur einer unter vielen, der implizit dazu auffordert, ein bestimmtes Lager zu wählen.

        Ich glaube, viel von dem Gegenwind, den Du hier und anderswo ertragen musstest basiert auch darauf, dass viele davon ausgingen, dass jemand mit Deiner Bildung einerseits die Praktiken der Bild besser kennt und sich dafür nicht hergibt, andererseits einen weniger regionalen Blick auf Gesellschaft und Situation unseres Landes hat. Das Statement „Uns geht es gut, das liegt auch an der aktuellen Regierung.“ Ist schon ziemlich steil, wenn man bedenkt, dass Unternehmensumsätze und Gewinne konstant steigen, während inflationsbereinigte Löhne niedriger liegen als im Jahr 2000.
        http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/gehaltsentwicklung-in-deutschland-realloehne-niedriger-als-im-jahr-1.1598540

        Deine Meinung und Deine Wahl steht Dir vollkommen zu, aber berücksichtige bitte, dass Du eben nicht repräsentativ für Deine Altersgruppe bist. Hätten nur Leute zwischen 18 u. 24 gewählt, läge die CDU 5% hinter Rot/Grün:
        http://wahl.tagesschau.de/wahlen/2013-09-22-BT-DE/umfrage-alter.shtml