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Solaranlage auf Hausdach

Lohnt sich eine Solaranlage jetzt überhaupt noch?

Nachdem die Politik die Absicht hat, die Einspeisevergütung für private Solaranlagen anzupassen und das hohe Wellen schlägt, möchte ich die Gelegenheit ergreifen und die Erkenntnisse meiner eigenen Beschäftigung mit dem Thema einmal zusammenfassen.

Die Diskussion um dieses Vorhaben ist in meiner Wahrnehmung aufgrund des Streitthemas Energiewende radikalisiert. Auf der einen Seite prognostiziert man den Tod der deutschen Solarbranche und das Scheitern der deutschen Bestrebungen den Klimawandel zu stoppen. Auf der anderen Seite freut man sich hämisch darüber, wie es denn sein könnte, dass ein Ende von Subventionen so katastrophal sein könnte, wenn die Technologie so super sei.

Ich würde gerne eine rationalere Sichtweise darlegen. In meiner Überschlagsrechnung rechnet sich eine Anlage statt in 10 Jahren dann in 13,3 Jahren, wenn man keinerlei Einspeisevergütung annimmt. Die Abschaffung der fixen Einspeisevergütung ist ein völlig richtiger Schritt, weil er die privaten Solaranlagenbetreiber dazu zwingt, die Einspeisung zu optimieren.

Dimensionierung und Budgetierung

Damit sich eine Anlage lohnt, kommt es letztlich auf die Balance zwischen den Kosten und dem Ertrag an. Dabei kommt der Ertrag hauptsächlich durch die eingesparten Stromkosten zustande. Aktuell darf man auch die Einspeisevergütung noch dazuzählen, aber das wird sich vermutlich 2027 erledigt haben.

Ich führe hier einmal beispielhaft das Vorgehen aus, das ich empfehlen würde, um die Größe der Anlage und ein ungefähres Budget zu bestimmen.

Aktueller Verbrauch

Für eine wirtschaftliche Dimensionierung sollte man sich zuerst Gedanken zum aktuellen und prognostizierten Stromverbrauch machen. Der aktuelle Stromverbrauch lässt sich gut an der Stromrechnung des letzten Jahres ablesen. Beim zukünftigen Verbrauch kommt es auf die Zahl der Personen im Haushalt, die Art der Heizung und darauf an, ob man plant ein Elektroauto zu kaufen.

Es gibt viele Rechner für den Energieverbrauch von Wärmepumpen. Bei einem Elektroauto kann man pro 10.000 gefahrenen Kilometern im Jahr etwa 2000 kWh ansetzen.

Wie viel kostet mich der Verbrauch?

Nehmen wir einen Vier-Personen-Haushalt (Haushaltsverbrauch: 3000 kWh) mit einem Elektroauto mit 10.000 km im Jahr und einer Brauchwasserwärmepumpe mit einem Verbrauch von etwa 1000 kWh an, so kommen wir auf etwa 6000 kWh im Jahr. Das sind bei einem kWh Preis von aktuell etwa 30ct dann 1800€ an Stromkosten pro Jahr (ohne Grundgebühr).

Was kann ich sparen?

Die Rentabilität wird hauptsächlich durch die eingesparten Stromkosten bestimmt. Wenn ich 2/3 der Stromkosten spare, sind das 1200€ im Jahr, also auf 15 Jahre in Summe 18.000€, sofern man annimmt, dass der Strompreis konstant bleibt.

Wenn ich 2/3 der Stromkosten sparen möchte, brauche ich bei meiner Anlage eine Autarkie von 67%, d.h. ich kann 2/3 meines benötigten Stroms mit der Anlage selbst erzeugen.

Berechnung der Autarkie

Wenn ich 67% Autarkie erreichen möchte, muss ich im Schnitt täglich also 2/3 von den 6000 / 365 = 16.4 [kWh], d.h. 11 kWh, erzeugen.

Die Sonneneinstrahlung über das Jahr gesehen und auch der Verbrauch variieren. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, einen Simulationsrechner zu Rate zu ziehen. Ich kann hier den Unabhängigkeitsrechner der HTW Berlin empfehlen.

In unserem Fall kommt man mit 10 kW installierter Leistung und 8 kWh Speicher auf einen Autarkiegrad von exakt 67%.

Der Rechner weist auch den Eigenverbrauchsanteil aus. In diesem Fall liegt er bei 43%, d.h. vom produzierten Strom nutzt man 43% selbst und speist 57% in das Netz ein. Der Direktverbrauch liegt bei 20%, d.h. in unserem Beispiel ist ein Speicher alternativlos für die Rentabilität der Anlage.

Einspeisevergütung

Wenn wir 67% autark sind, dann nutzen wir 6000 kWh * 0.67 = 4020 kWh vom selbsterzeugten Strom. Das entspricht 43%, d.h. wir erzeugen insgesamt 9350 kWh pro Jahr. Hier speisen wir 57% ein, d.h. wir speisen 5330 kWh ein, was bei einer aktuellen Vergütung von 7,78ct / kWh dann nochmal 414€ im Jahr ausmacht.

Bereits heute kommt also der deutlich kleinere Anteil der Rendite der Anlage durch die Einspeisevergütung zustande.

Übersicht

Hier eine Übersicht über meine beispielhafte Rechnung:

PostenWert (Beispiel)Erläuterung
Jahresstromverbrauch6.000 kWhHaushalt (3000) + E-Auto (2000) + WP (1000)
Erreichbare Autarkie67 %Anteil des Verbrauchs, der durch Solar gedeckt wird
Gesparter Strombezug4.020 kWh6.000 kWh * 0,67
Jährliche Ersparnis1.206 €4.020 kWh * 0,30 €/kWh Strompreis
Stromproduktion gesamt9.350 kWhErtrag der 10 kWp Anlage pro Jahr
Einspeisung ins Netz5.330 kWhProduktion minus Eigenverbrauch (9350 - 4020)
Einspeisevergütung414 €5.330 kWh * 7,78 ct/kWh
Ertrag pro Jahr (mit Vergütung)1.620 €Ersparnis (1206 €) + Vergütung (414 €)
Ertrag pro Jahr (ohne Vergütung)1.206 €Nur die Ersparnis durch Eigenverbrauch

Rendite

Wer sich übrigens die Rendite seiner Solaranlage mit noch mehr Details (inklusive der Berücksichtigung der Inflation des Strompreises oder eines Darlehens für die Anschaffung) ausrechnen möchte, dem sei der PV Rechner von Stiftung Warentest empfohlen. Ich würde das aber nur empfehlen, wenn man die vielen nötigen Eingabeparameter auch wirklich für seine Anlage kennt.

Fazit

Die Anlage sollte letztlich so dimensioniert sein, dass sie einen möglichst hohen Grad an Autarkie erreicht und das ohne eine Überdimensionierung. Man kann ganz einfach feststellen, ob auch weniger Leistung oder eine kleinere Batterie ausreichen würde, wenn man die Eingabeparameter im Unabhängigkeitsrechner etwas variiert und sich der Grad der Autarkie nur wenig verändert.

Zusammensetzung der Kosten

Die andere Seite der Medaille bei der Beurteilung der Wirtschaftlichkeit einer Solaranlage sind die Kosten für die Anlage. Diese Kosten setzen sich letztlich aus folgenden Komponenten zusammen:

  • Solarpanele
  • Wechselrichter
  • Batterie
  • Energiemanagement (optional)
  • Montage auf dem Dach
  • Montage der Elektrik

Ein Teil der Kosten ist stark davon abhängig, wie groß die Anlage ist (Panele, Wechselrichter, Batterie) und ein Teil orientiert sich am Aufwand der Montage (eine oder zwei Dachseiten), ist aber nicht zwingend proportional zur Größe der Anlage.

Auswahl der Solarpanele

Bei der Auswahl der Panele kommt es am ehesten darauf an, wie viel Platz man auf der besser ausgerichteten Dachseite (Süden) hat. Sollte der Platz begrenzt sein, ist es sinnvoll, Panele mit mehr Leistung auf dem gleichen Platz auszuwählen, die etwas teurer sind. Ist genug Platz vorhanden, würde ich nach Preis-Leistung auswählen.

Eine gute Übersicht zur Preis-Leistung von Panelen findet sich auf der Seite von Grünes Haus. Auch der ADAC hat eine gute Übersicht zu den Eigenschaften von Solarpanelen.

Wechselrichter

Der Wechselrichter ist dafür zuständig, den Gleichstrom der Panele oder der Batterie in für das Haus gedachten Wechselstrom umzuwandeln. Dabei kommt es darauf an, dass er richtig dimensioniert ist. Ist er zu klein, kann er womöglich gar nicht allen Strom der Panele verarbeiten und es geht bei Volllast Leistung verloren. Ist er zu groß, ist er meist bei kleiner Last nicht so effizient wie Modelle mit weniger maximaler Leistung.

Wenn die Wirtschaftlichkeit der Anlage das Ziel ist, würde ich zu Anbietern mit guter Preis-Leistung raten, was ziemlich sicher chinesische Anbieter (wie Sungrow oder Ecoflow) sein werden.

Batterie

Die Batterie sollte eine an die Anlage angepasste Beladeleistung haben. Wenn meine Anlage 10 kW produziert und ich meine Batterie aber nur mit 5 kW laden kann, muss ich die anderen 5 kW einspeisen, wenn ich sie nicht verbrauchen kann.

Anlagen, die aktuell ans Netz gehen, werden dafür noch vergütet. Allerdings ist das Ziel eine möglichst hohe Autarkie zu erreichen, was nur möglich sein wird, wenn wir die Leistung möglichst nur einspeisen, wenn wir sie wirklich nicht brauchen.

Auch die Entladeleistung ist wichtig. Wenn ich viel Leistung für verschiedene Verbraucher benötige, möchte ich möglichst erst meine Batterie entladen.

Energiemanagement

Ich habe einen Absatz zum Energiemanagement (auch mit HEMS abgekürzt) als Komponente aufgenommen, weil viele der Angebote, die ich erhalten habe, ein solches System beinhaltet haben. Für eine Solaranlage ist es nicht zwingend nötig und die Preise dafür variieren stark.

Die Aufgabe des Energiemanagements ist die intelligente Steuerung von größeren Verbrauchern. Manche Geräte, wie Wärmepumpen, haben eine SG-Ready Schnittstelle. Damit kann man die Wärmepumpe nur dann arbeiten lassen, wenn man genug Strom von der Solaranlage erhält. Ein Nachteil ist, dass das häufige An- und Abschalten von manchen Verbrauchern deren Lebenszeit verringert.

Es gibt noch einen rechtlichen Aspekt: Nach §14a EnWG ist es seit 2024 Pflicht, dass der Netzbetreiber steuerbare Verbrauchseinrichtungen (Wallboxen, Wärmepumpen, größere Stromspeicher) drosseln darf. Sofern man kein intelligentes System dafür hat, werden einfach alle Geräte gleichmäßig gedrosselt. Das Energiemanagement kann die Rolle übernehmen, die Drosselung besser zu verteilen.

In den Angeboten variierten die Kosten für ein solches System von 200€ bis zu 1000€. Sofern man keine Wärmepumpe hat, sehe ich vorerst keinen Sinn darin, für ein solches System viel Geld auszugeben. Man kann das auch in den meisten Fällen problemlos nachrüsten.

Wegfall der Einspeisevergütung

In den bisherigen Plänen der Bundesregierung ist vorgesehen, dass die Einspeisevergütung zugunsten einer Direktvermarktung wegfällt. Hierbei wird man anhand des aktuellen Börsenstrompreis für den Strom vergütet. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung und es ist völlig richtig, dass Anreize geschaffen werden, den Strom dann einzuspeisen, wenn er gebraucht wird.

Eine Möglichkeit dafür ist das prognosebasierte Laden, was durch manches Energiemanagement ermöglicht wird. Dabei geht es darum, das Stromnetz zu entlasten, indem man den Akku bei gutem Wetter nicht bereits morgens lädt, sondern den Strom morgens, wenn er gebraucht wird, einspeist und mittags die Batterie lädt, wenn so viel Strom vorhanden ist, dass die Börsenpreise teils negativ werden. Sobald die Einspeisevergütung überarbeitet wird, ist dieser Punkt wichtiger denn je.

Montage (Dach)

Bei der Montage ist zwischen der Montage auf dem Dach und der Montage der Elektrik zu unterscheiden. Abhängig davon, auf wie viele Dachseiten man die Panele montieren lässt, variieren die Kosten.

Bei der Montage auf dem Dach ist häufig die Frage, ob man Geld für Blechdachziegel ausgeben möchte. Je älter das Dach, desto eher ist es wohl sinnvoll. Ich würde darauf achten, dass sich die Kosten dafür in Relation zu den Gesamtkosten im Rahmen halten.

Ich habe Angebote bekommen, bei denen die Blechdachziegel 10-15% vom Gesamtpreis ausgemacht haben. Das ist wirtschaftlich nicht sinnvoll und auch nicht nachvollziehbar, gerade weil die Ziegel den Zeitaufwand für den Installateur deutlich verringern. Hier gibt es definitiv die Möglichkeit, beim Preis zu verhandeln.

Montage (Elektrik)

Auch bei der Montage der Elektrik gibt es ein paar Dinge zu beachten. Abhängig vom Netzbetreiber ist die Installation eines APZ, sofern noch nicht vorhanden, vorgeschrieben. Verschiedene Anbieter haben mir deutlich unterschiedliche Preise dafür gegeben (300€ bis zu 1000€).

Eine angemessene Erdung ist notwendig und in den meisten Häusern gibt es eine Potentialausgleichsschiene. Sofern diese nicht vorhanden ist, kann sich die Anlage durch die Kosten der Installation einer solchen Schiene deutlich verteuern.

Hier ist zu bedenken, ob die Erdung auch für andere Vorhaben (Wallbox) nötig ist und also die Installation in jedem Fall nötig ist.

Beurteilung der Wirtschaftlichkeit der Angebote

Beim Einholen von Angeboten werden die meisten Betreiber viele Fragen stellen und gewisse Verkaufstaktiken anwenden. Sobald man ein paar Angebote für eine Solaranlage eingeholt hat und die eigene Situation mit den Anbietern besprochen hat, geht es um die Beurteilung der Angebote.

Was die Qualität und Ausführung der Angebote angeht, habe ich im vorherigen Abschnitt schon ein paar Tipps vorgestellt. Jetzt soll es nur um den Preis der Anlage gehen.

Sofern man mit der Qualität der angebotenen Anlage zufrieden ist, kann man die Effizienz des Angebots mit einer einfachen Rechnung beurteilen. Wenn man aus den Kosten für die Anlage die Speicherkosten herausrechnet und den restlichen Betrag durch die installierte Leistung in kWp teilt, erhält man die Kosten pro kWp. Diese sollte bei bis zu 1500€ liegen, damit die Anlage sich rechnet. Finanztip hat das in verschiedenen Szenarien errechnet:

Faustregel: Solange Du für Deine Solaranlage weniger als 1.600 Euro pro Kilowatt-Peak (kWp) bezahlst, lohnt sie praktisch in allen Szenarien. Ein Anlagenpreis von 1.800 Euro pro kWp ist auch noch in Ordnung, wenn Du einen Stromspeicher, eine Wärmepumpe oder eine Wallbox nutzt. Die kosten aber zusätzlich.

Quelle: “Wann sich eine Solaranlage für Dich lohnt” von Finanztip (Zugriff am 28.02.2026)

Amortisation

Wenn man sich im Detail für die Amortisation interessiert, sollte man sich lieber auf einen Rechner verlassen, der die Inflation des Strompreises und gewisse Wartungs- und Austauschkosten für Teile der Anlage berücksichtigt.

Eine einfache Rechnung geht wie folgt: Wenn wir noch einmal den obigen Fall (6000 kWh, Stromkosten von 1800€, Einsparung von 1200€ + Einspeisevergütung von 400€) betrachten, dann können wir einfach die Kosten für die Anlage durch die jährliche Einsparung von 1600€ teilen. Wenn die Anlage also 16.000€ kostet, amortisiert sie sich in 10 Jahren. Ohne die Einspeisevergütung sind wir bei 13,3 Jahren.

Wartungskosten

Bei Amortisationszeiträumen von mehr als 10 Jahren sollte man zumindest die Möglichkeit berücksichtigen, dass ein Teil der Anlage ausgetauscht werden muss. Häufig betrifft das den Wechselrichter oder den Akku. Die meisten Anbieter geben eine Art von Garantie für zwischen 5 und 10 Jahre. Bei den Akkus ist es nicht alleine eine Anzahl an Jahren, sondern ein Maximum an Ladezyklen.

Abhängig davon, wie teuer der Wechselrichter oder Akku ist und ob man einzelne Zellen des Akkus oder nur den gesamten Akku austauschen kann, kostet der Austausch weniger oder mehr und der Amortisationszeitraum ändert sich.

Stromkosten

Was wir ebenfalls ignorieren ist, dass die Stromkosten nicht für immer gleich bleiben werden. Es ist wahrscheinlich, dass sie sich im Gleichschritt mit der Inflation verteuern. Je teurer der Strom, desto schneller rentiert sich die Anlage.

Finanzierung

Zuletzt möchte ich noch ein paar Takte zur Finanzierung von solchen Anlagen sagen. Abhängig davon, wie hoch der Zinssatz ist, kann es Sinn ergeben die Anlage zu finanzieren. Das erhöht die Rendite der Anlage auf das eingesetzte Kapital, weil man weniger Eigenkapital dafür aufbringen muss.

Fazit

Wenn man die Wirtschaftlichkeit einer Solaranlage beurteilen möchte, sollte man sich zu aller erst Gedanken dazu machen, welchen perspektivischen Stromverbrauch man haben wird.

Anschließend kann man anhand der gewünschten oder erreichbaren Autarkie berechnen, welche Größe (maximale Leistung und Batterie) die Anlage haben sollte.

Mithilfe des Einsparpotentials durch den Grad der Autarkie und den aktuellen Strompreis lässt sich aus den Gesamtkosten des Amortisationszeitraums bestimmen. Je länger die Anlage braucht, um ihren Anschaffungspreis wieder einzuspielen, desto unrentabler ist sie.

Natürlich gibt es noch weitere Kategorien bei der Beurteilung der Angebote: die Qualität der Geräte, die Vertrauenswürdigkeit des Anbieters und die angebotene Garantie auf Geräte und Montage.

Wie im Rechenbeispiel gezeigt ist es aber definitiv nicht gegeben, dass sich mit dem Wegfall der Einspeisevergütung keine Anlage mehr rechnen wird.